BEAR ON TOUR – KOYA-SAN

Koya-san ist die dritte Station auf unserer Reise und ich bin super gespannt auf diesen Stopp. Koya-San ist der Beiname des dortigen buddhistischen Kongōbu-Tempels und ausserdem ist die Region weltberühmt für den riesigen Friedhof (über 280.000 Grabstätten), ich habe gelesen der grösste seiner Art der Welt.

Fitness: Gelaufene Strecke – 90 Km

Food: Gegessen – alles

Koya ist ein Berg und mir fällt auf, dass alle eine SAN angehängt bekommen. Das Wörtchen SAN bedeutet “ehrenwerter” und im Bezug auf den Berg zollt man so seine Respekt.

Es muss gefühlte tausend Jahre her sein, dass sich ein Mönch aufgemacht hat ,um in dieser grünen Ruhe zu meditieren und Zen zu werden. Das wollte ich auch und deshalb wurde eine Übernachtung in einem Tempel bei den Mönchen mitgebracht und organisiert. 

Koya-San (Wikipedia) selbst hat genug Tempel um Graf-Zahl einen Tag lang mit zählen zu beschäftigen oder gefühlte 500. In Wahrheit sind es dann doch eher 35 Tempel die allesamt umgemodelt wurden zu Schlafmöglichkeiten.

Ich stelle mir das immer so vor, zuerst kam hier ein Mönch her und baute seine riesige Tempelanlage. Als Andere diese sahen, wollten Sie etwas ähnliches oder vielleicht noch was Grösseres. Männer sind halt wie Kinder “ich will haben” – und eins wurde nach dem Anderen gebaut. Je nachdem wie gross und stark der Clan war, wurde der Tempel grösser oder kleiner.

So kommt man dann mal schnell auf 117 kleinere Tempel die mittlerweile allesamt in Touristenattraktionen umfunktioniert wurden. Ja, da ist Coach Bear einer interessanten Geschichte auf den Leim gegangen.

Meine Schwiegermutter war hier vor zehn Jahren und es muss noch sehr authentisch gewesen sein. Im Tempel zwischen Mönchen beten und ein Frühstück bekommen wie sie diese vegetarischen Freunde seit tausend Jahren geniessen.

Heutzutage sieht man keine Mönche sondern wird von einer Vielzahl von Angestellten begrüsst und in japanischer Effizienze abgefertigt. Arigato und SAYONARA zu gleich.

Morgens standen wir dann auf und haben um 5.45 Uhr am Morgengebet teilgenommen. Das war sehr beeindruckend und zu gleich auch etwas das man sonst nicht zu beobachten bekommt. Es kamen eine Heerschar von Japanern die dieses Gebet genutzt haben um Ihren Ahnen zu gedenken. Das war übrigens auch gebucht und bezahlt, stellte sich später heraus, wie es katholischer nicht hätte sein können. Ich sage das mit einem Schmunzeln, weil jeder irgendwie sein Geld verdienen muss, dass verstehe ich na klar.

KOYA-SAN und sein grösstes gut – DER FRIEDHOF (grösste auf der Welt)

Was sich wie eine kleine Hasstirade angehört haben muss war keine, nur ein wenig Enttäuschung darüber, dass es der Kommerz bis hierher geschafft hat. Mir ist dabei voll und ganz bewusst, dass ich Teil des Problems bin und auch keine Lösung habe. ABER man kommt ja nicht zum schlafen nach Koya-San sondern für seinen 1000 jährigem Friedhof.

Das mein lieber Leser haut auch den stärksten Bären aus den Socken. Diese Ruhe, grüne und kaum berührte Natur, umgegeben von Grabsteinen und Buddha Figure, die einen freundlich anlächeln und mit einem “lass mal gut sein” auf die Reise schicken.

Die Bäume hier sind so alt wie man sie sonst nur noch aus Herr der Ringe kennt. Falls Du Dich jetzt fragst, ob der Coach Bear noch alle Duplinge auf dem Teller hat, liegt das daran, dass ich Hyperbolen einfach liebe und wenn ich schreibe meinen Gefühlen freien Lauf lasse. Du bist gewarnt LOL

Hier stehen Schreine die aus dem Jahre 900 kommen und sind ein Testament für eine Welt in der nicht alles Vergänglich ist. Im Touristenbüro hat man sich sehr schöne Gedanken gemacht, welche Gräber näher erklärt werden und wo man noch ein Schild braucht. Ich liebe das an Japan, alles ist bis in den kleinsten Prozessschritte definiert und durchdacht. Nicht jedermanns Sache, aber als Projektleiter / Business Analyst geht mir da ein wenig die Sonne auf – totales KAIZEN !!!

Am Ende ist es aber immer so, dass wer viel Geld hat auch seinen Weg bekommt. Der andere Teil vom Friedhof ist durch Firmengräber (das nehmen wir zumindest an, weil keine Scchilder mehr) geprägt. Diese könnten nicht grotesker und wilder im Kontrast zum Ursprung dieses Feld des Friedens stehen:

  • Riesige Raketen von der Raumfahrtindustrie
  • Automobilhersteller die interessanterweise sehr dezent mit kleinen Logos und auf die Mitarbeiter bedachte Statuen haben
  • Kaffeehersteller die riesige Tassen auf die Gräber machen
  • römisch angehauchte Statuen von Engeln die verloren in den Himmel ragen und förmlich nach Rom fliehen wollen

Zurück in der Stadt fällt einem auch auf, wie das japanische Effizienzstreben die gesamte Stadt durchzogen hat. Die Strassen alle frisch geteert und Blindenkonform gestaltet. Ein Bussystem welches Touristen im perfekt abgestimmten Zeittakt von einer Ecke zur anderen fährt. Die Geschäfte mit vorgefertigten Touristenpäcklis zum einkaufen, einpacken und abtransportieren.

Es ist einfach ein riesiges Abenteuer hier im Land der aufgehenden Sonne und ich gehe vollkommen darin auf. Wenn sich das hier teilweise zu kritisch liest oder es zu überschwänglich lobt, dann ist das einfach nur meine persönliche Art und Weise wie ich schreibe. In einem Bullet-Train sitzend oder SHINKANSEN und mit über 400 km/h durch Japan zu gleiten, lässt meine Gedanken rasen und es fällt mir schwer diese einzufangen, wenn ich bereits in 1 Sekunde 1 Km entfernt bin von dem Ort an dem dieser Satz in meinem Gehirn entstanden ist.

Auf zu neuen Abenteuern und in Richtung Hiroshima. Ich erwarte mir sehr viel von diesem Ort der tragische Berühmtheit durch ein Ereignis unaussprechlicher Gräul erlangt hat.

Weitere Berichte aus dieser Serie:

BEAR on TOUR – HIROSHIMA
BEAR on TOUR – KYOTO, OSAKA und NARA
BEAR on TOUR – ISTANBUL

DISCLAIMER: Es handelt sich hier alles um Gedanken, Sätze und Wörter, die meinem Gehirn und Gefühlen entsprungen sind. Demnach meinem Empfinden und meiner Wahrnehmung der Realität, also meiner Reise und nicht einem Reiseführer, der sich bemüht, neutral zu sein und die grösstmögliche Masse von Menschen zu erreichen.

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